Beispielbild Blogartikel 5: in die Liebe kommen, Wachstum in die Eingenständigkeit
5. Kapitel unserer Blog-Reihe „Verliebt, verlobt verheiratet – und dann?“
In die Liebe kommen, Wachstum in die Eigenständigkeit.
Es ist schön, sich an die Anfangszeit zurückzuerinnern: Das Verliebtsein mit dem Gefühl: „Jetzt erfüllt sich meine Sehnsucht.“ Das Verlobt sein mit dem Gefühl: „Ich fühle mich in meiner Mitte und will Dich reich beschenken.“
Und dennoch:
Dass es wieder wird, wie in eurer Anfangszeit, das möchten wir Euch eigentlich nicht wünschen. Denn das, was Ihr nun – jede und jeder für sich, und Ihr gemeinsam als Paar – entwickeln könnt, das ist nicht die Wiederholung dessen, was Ihr einst miteinander erlebt habt. Und das ist gut so, denn sonst würdet Ihr weiterhin aus Eurer alten Schräglage heraus agieren, statt euch weiterzuentwickeln. Ihr würdet genau da landen, wo Ihr mit der Zeit in der Verheiratet-Phase gelandet seid: In einer Krise, in einer Patt-Situation oder wie auch immer Ihr die „Und dann?“-Phase nennen würdet.

Es ist wertvoll und wichtig, sich an diese Verliebt- und Verlobt-Gefühle zu erinnern, denn sie sind starke Referenzerfahrungen für das, worum es eigentlich geht: Aus dem Fühlen ins Sein zu kommen. Aus meinem Mich-in-meiner-Mitte-Fühlen“ in mein wirkliches „In-meiner-Mitte-Sein“ zu finden. Aus dem stets abhängigen „Es-erfült-sich-meine-Sehnsucht“ in mein eigenständiges „Ich-übernehme-Verantwortung-für-meine-Bedürfnisse.“ hineinzuwachsen. Aus dem Ver-liebt-Sein in die Liebe zu kommen.

Das Gemeine daran ist:

„Es fühlt sich wie Trennung an!“
…, oder zumindest kann es sich so anfühlen.
Denn tatsächlich steht jetzt eine Trennung an! Und zwar nicht von Deiner Partnerin oder Deinem Partner. Das könnt Ihr zwar machen. Aber dich lediglich vom Partner/ von der Partnerin zu trennen ist es nicht, was Dir Eigenständigkeit gibt. Wie stark emotionale Abhängigkeiten sein können, kannst Du bei ehemaligen Paaren sehen, die sich viele Jahre nach der Trennung noch im Krieg miteinander befinden.
Nein, es geht um eine andere Trennung: Es geht darum, Dich von der alten Vorstellung zu trennen, wie Beziehung funktioniert. Denn das haben wir im 4. Kapitel „Und dann?“ erkannt: Das gegenseitige Verantwortung-füreinander-Übernehmen hält Euch beide in der Schräglage gefangen.
Also geht es jetzt darum, den Fokus von Deinem Partner oder Deiner Partnerin wieder (oder vielleicht auch erstmals in Deinem Leben) auf Dich selbst zu richten.
Und es ist wahr: Die Vorstellung loszulassen, dass der eine für das Glück des anderen verantwortlich ist, kann erst einmal richtig schmerzhaft sein. Tatsächlich ist das nicht nur in Paarbeziehungen, sondern auch in der Beziehung von erwachsenen Kindern und ihren Eltern einer der größten, wenn nicht der größte Entwicklungsschritt, den Menschen auf dem Weg des „In-die-Liebe-kommens“ machen können. Es gibt viele, viele Menschen, denen dieser Schritt richtig, richtig schwer fällt.
Denn in dem Moment, wo Du loslässt, wird Dir (vielleicht erstmals in Deinem Leben) Deine innere Schräglage erst so richtig spürbar und bewusst.
Es kann unwahrscheinlich hilfreich sein, diese Schritte nicht allein zu gehen, sondern sich begleiten zu lassen. Von guten Freunden, die diesen Schritt bereits gegangen sind, ja, vielleicht sogar von professionellen Lebensbegleitern, Therapeutinnen und Therapeuten, Coaches, Seelsorger/innen, Mentor*innen oder wer auch immer geeignet und verfügbar ist.
Hier an dieser Stelle möchten wir Dir vor allem Mut machen, von alten Glaubenssätzen und Vorstellungen loszulassen, was es bedeutet, in Beziehung zu sein.
Wenn Du diesen Schritt gehst, bedeutet das nicht, aufzuhören, Deine Partnerin oder Deinen Partner zu lieben. Ganz im Gegenteil: es bedeutet, über das Ver-liebt-Sein hinaus ins Lieben zu wachsen. Deinen Partner nicht nur als Antwort auf Deine Sehnsucht zu sehen, sondern als ganzen liebenswerten Menschen. Wenn es Dir gelingt, eigenständig in Deine Mitte zu kommen, also wirklich mehr und mehr in Deiner Mitte zu sein, hast Du plötzlich Energie zur freien Verfügung, die vorher im Ausbalancieren eurer beiderseitigen Schräglagen gebunden war.
Plötzlich wird es Dir möglich, Deine Partnerin/ Deinen Partner in einem ganz neuen Licht zu sehen:
Sie oder ihn wahrzunehmen, wie sie/er ist. Dein Gegenüber mit allen Licht- und Schattenseiten zu sehen, anzusehen, anzuerkennen und zu würdigen, ein Ja zu ihr/zu ihm zu haben, weil Du ein klares Ja zu Dir selbst hast, Dich selbst siehst, anerkennst und würdigst. Es wird Dir möglich, in die Liebe zu kommen. Dafür lohnt es sich, durch den Schmerz zu gehen, den die Trennung, das Loslassen von alten Beziehungsvorstellungen verursacht.Wie aber kann das gelingen?
Ein Freund von uns zitiert oft den Satz: „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn ich es ändere. Aber wenn ich nichts ändere, kann auch nichts besser werden.“
Zu allererst braucht es also erst einmal die Erkenntnis: Wenn ich so weiter mache, wie ich es bis jetzt getan habe, kann es nicht besser werden!
Es lohnt sich also wirklich, alte Beziehungsvorstellungen loszulassen!
In der nächsten Folge unserer Blog-Reihe „Verliebt, verlobt, verheiratet, und dann?“ Beschreiben wir mögliche Schritte auf dem Weg, „in die Liebe zu kommen“. 

 

Beispielbild Blogartikel 4. Verheiratet! Und dann?
4. Kapitel unserer Blog-Reihe „Verliebt, verlobt, verheiratet, und dann?“ Verheiratet! Und dann?

Vorab sei hier noch einmal gesagt:
Ob die Hochzeit, das gemeinsame Kind, das Einziehen in die gemeinsame Wohnung oder die Vereinbarung: „Ab jetzt sind wir zusammen“ – Was nun die Verheiratet-Phase einläutet, ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist:

Was in den Verliebt-Verlobt-Verheiratet-Phasen passiert, ist völlig normal.
Wie sich das im Detail bei einem Paar ausgestaltet, ist natürlich sehr individuell und von Paar zu Paar verschieden. Aber wie schon in der Start-Folge der „Blog-Reihe Verliebt-Verlobt-Verheiratet“-geschrieben:

Ganz innen im Kern bewegen uns die gleichen elementaren Grundbedürfnisse.

Und darum passiert das, was wir bis hierhin beschreiben, in unserer Kultur so ziemlich jedem von uns, wenn wir in Beziehung zu einem anderen Menschen sind. Es ist normal. Und nichts von dem, was wir dabei tun, ist grundsätzlich falsch. Auch wenn es sich so anfühlen mag. Die Sache ist: Die Art, wie wir gelernt haben, in Beziehung zu sein, ist – im wahrsten Sinne des Wortes – schräg. Und das spüren wir erst nach und nach. Anfangs fühlt sich diese – mal mehr, mal weniger bewusste – Vereinbarung der Verheiratet-Phase noch ganz gut an:

„Du gibst mir, was ich brauche, und ich gebe Dir, was Du brauchst.“

Oft gehörte Sätze an dieser Stelle wären auch:
„Ich will Dich glücklich machen!“, und – meist dann nach ein paar Jahren Ehe oder in früheren Zeiten auch schon als Trauspruch – der zitierte Bibelspruch:
Der Eine trage des Anderen Last.“

Aber merkst Du was?
Mit diesen Sätzen legst Du den Fokus stets auf den Anderen. Ob es um Deine Bedürfnisse, oder um Dein Handeln geht: Du bist mit dem Fokus bei Deiner Partnerin oder Deinem Partner. Und damit nicht mehr bei Dir.

Anfangs spürst Du es noch nicht. Weil es sich seit der „Verlobt-Phase“ noch so anfühlt, als seiest Du in Deiner Mitte angekommen. Du und Dein Partner – Ihr stützt Euch ja gegenseitig. Und dann fühlt es sich gut, schön und stabil an.
Das Dumme ist nur: Du bist noch nicht in Deiner Mitte. Und das macht auf Dauer Probleme.

Schau Dir noch einmal das Bild an. Oder, um es noch spürbarer zu machen: stellt das Bild als Paar doch einmal in einer kleinen Körpererfahrung nach:
Legt Eure Handflächen aneinander, und stellt Eure Füße soweit zurück, ohne den Kontakt zwischen Euren Handflächen zu lösen, dass Ihr euch – jeder in Schräglage – mit den Handflächen gegenseitig stützt.

Und dann bleibt eine längere Zeit so stehen.
Vielleicht zwei Minuten, oder fünf oder sogar 15 Minuten.
Ihr werdet spüren: Irgendwann wird es anstrengend!

Irgendetwas muss sich verändern.
Du spürst (d)eine Schräglage mit der Zeit immer deutlicher.

Denn zunächst einmal fühlt es sich – je nach Temperament der Beteiligten – entweder wechselseitig so an, als wäre dein Partner für deine Schräglage verantwortlich, oder ihr habt euch in diesem Punkt darauf geeinigt, und einer von euch ist allein bereit, die gesamte Verantwortung für die Schräglage des anderen zu übernehmen.
Und spätestens ab hier wird es auf Dauer richtig unangenehm. Denn ab hier beginnen wir, vom Anderen zu fordern, einander die gefühlte Schräglage vorzuwerfen, während der Andere die Forderungen und Vorwürfe entweder erwidert, oder in den Rückzug geht.

Wenn Ihr das körperlich erfühlen wollt, probiert es einfach mal aus: Stellt noch einmal das Paar in im Bild nach, das sich anfänglich dadurch in der Mitte hält, dass es sich gegenseitig in der Schräglage stützt. Und dann fangt an, entweder zu schieben, oder zurückzuweichen. Ihr werdet merken: es wird ungemütlich und anstrengend, den Kontakt stabil zu halten!

Manche Paare halten es sehr lange in diesem Zustand aus. Insbesondere, solange beide gleichermaßen schieben, und der beidseitige Druck von Fordern und Vorwürfen für eine Balance sorgt. Oder da, wo vorläufig wieder ein scheinbares Gefühl von „In-die-Mitte-Kommen“ dadurch entsteht, dass ihr euch darauf geeinigt habt, wer der für die Schräglage vermeintlich Hauptverantwortliche ist, .

Wo es euch in der obigen Körpererfahrung bewusst werden kann, ist es euch bisher in eurem Alltag meist noch nicht bewusst:

Die Schräglage, mit der Du VOR eurer Beziehung unterwegs warst, war nie weg! Nicht in der Verliebheits-Phase, und auch nicht in der Verlobtheits-Phase!

Das Gefühl, in Deiner Mitte zu sein, ist bisher lediglich dadurch genährt worden, dass Dein Partner sehr gern Deine innere Schräglage ausgeglichen hat. Genauso, wie Du sehr gern ihre innere Schräglage ausgeglichen hast.
Auf Dauer aber macht das unweigerlich jede Beziehung statisch. Das heißt: Um die Beziehung in der Mitte zu halten, darfst Du Dich nicht verändern! Du musst statisch werden. Egal, ob Du es anstrengend findest, Druck verspürst, oder eigentlich schon nicht mehr kannst. Und das tut weh!

Hier wird dann mit hoher Wahrscheinlichkeit der alte Schmerz wieder spürbar, den du schon dein ganzes bisheriges Leben mit dir herumträgst.

Das, was uns so hollywood-romantisch als Ideal vorgegeben wird, ist – um es einmal dramatisch auszudrücken – das Ticket für die schleichende Reise in die Hölle beziehungsdynamischer Abhängigkeit, in der ein Partner den anderen für den Schmerz der eigenen inneren Schräglage verantwortlich macht. Ein Schmerz, der jedoch lange vor euerer Partnerschaft bereits da war.

Dir ist das wahrscheinlich nicht mehr bewusst. Du erinnerst Dich nur an Eure Verlobtheits-Phase, wo Du Dich so sehr verbunden mit dem Partner – und darum in deiner Mitte – gefühlt hast, wo doch „alles gut war“. Und nun macht ihr euch gegenseitig für den Schmerz verantwortlich, der jetzt spürbar wird. Oder ihr habt euch darauf geeinigt, dass einer für den Schmerz verantwortlich ist, und dieser eine stellt dafür seinen eigenen Schmerz in den Schatten.
Praktisch alle Paare, die in unsere Praxis kommen, kommen in dieser Phase.
Und die meisten Paare, die zu uns kommen, sagen dann: „Ich will, dass es wird, wie in unserer Anfangszeit.“
Und meinen eigentlich: Ich will wieder das Gefühl erleben, in meiner Mitte zu sein.

Wie das gelingen kann, davon schreiben wir in der nächsten Folge unserer Blog-Reihe „Verliebt, verlobt, verheiratet, und dann?“ an.

3. Kapitel unserer Blog-Reihe „Verliebt, verlobt, verheiratet, und dann?“ Verheiratet! Was passiert da eigentlich?

Wenn sich das so, so gut anfühlt mit dem Menschen an Deiner Seite, und das beiden so geht, dann ist es verständlich, dass Du das gerne beibehalten möchtest. Es ist verständlich, dass Ihr gerne näher zusammenrückt.

Die Verheiratet-Phase, so, wie wir sie hier meinen, tritt nicht nur ein, wenn Ihr zum Standesamt geht. Für das Gefühl, um das es bei der Verheiratet-Phase hier in diesem Buch geht, reicht schon die Vereinbarung, dass es jetzt etwas Festes zwischen Euch ist. Wie das aussieht, kann sehr unterschiedlich sein. Vielleicht zieht Ihr zusammen, vielleicht baut Ihr ein Haus, vielleicht kündigt sich ein Kind an.
Vielleicht ist es aber auch nur: Ab jetzt wollen wir regelmäßig Paar-Zeit miteinander verbringen.
All das, oder auch nur Teile davon, kann die Verheiratet-Phase ausmachen. Es geht darum, all das Schöne, womit Dich die Verlobt-Phase beschenkt, auf Dauer zu etablieren. Du möchtest Dich auch weiterhin so gut und in Deiner Mitte fühlen, wie Du es mit dem geliebten Menschen an Deiner Seite gerade erlebst. Und das am liebsten dauerhaft. Und scheinbar habt Ihr ja herausgefunden, wie das geht:
„Du gibst mir, was ich brauche, und ich gebe Dir, was Du brauchst.“

Es mag sein, dass es Dir allzu leicht fällt, Dich auf etwas Festes einzulassen. Es kann aber auch sein, dass Du ein zu oft gebranntes Kind bist, und es Dir schwerfällt, Du Dich ambivalent, also hin- und hergerissen fühlst. Aber auch dann gibt es wahrscheinlich eine Sehnsucht nach einer Beständigkeit dieses guten Gefühls, das die Verlobt-Phase mit sich bringt.
Das fühlt sich gut an, oder? Die Sicherheit, auch künftig alles zu bekommen, was Du brauchst, um Dich weiterhin gut, geliebt und in Deiner Mitte zu fühlen.Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Schau Dir das Bild dazu an – Du bist (noch) nicht in Deiner Mitte. Du stützt Dich auf den Menschen, in den Du Dich verliebt hast, mit dem Du Dich verlobt hast, und mit dem Du Dich schließlich verheiratet hast. Eine Weile geht das gut. Und dann?
Das schauen wir uns in der nächsten Folge unserer Blog-Reihe „Verliebt, verlobt, verheiratet, und dann?“ an.