Biographische Themen

Mit biografischen Themen kannst du in der Einzeltherapie ebenso wie in der Paartherapie zu uns kommen. Biografische Themen zeigen sich oft in der Paartherapie erst so richtig deutlich, und brauchen dann mehr Würdigung und einen eigenen und sicheren Raum, um gut begleitet, bearbeitet und integriert zu werden.

Das sind manchmal Themen, die auf den ersten Blick gar nicht so viel mit der Beziehung zu tun haben. Ob unsere Eltern sich getrennt haben oder beide Eltern für uns da waren, ob wir Geschwister haben und welche Rolle wir im Gefüge unserer Familie spielen,  wirkt oft bis ins Erwachsenenalter nach, hat aber Einfluss darauf, wie wir mit anderen Menschen in Beziehung gehen.

Auch Prägungen aus unserer Schulzeit können bis heute starken Einfluss haben. Und manchmal sind es auch traumatische Erlebnisse, die oft unbewusst über mehrere Generationen eine Wirkung entfalten, und vieles mehr.

„Es sind vage Gefühlserlebnisse aus meiner Kindheit hochgekommen, die ich nicht deuten kann.“

Es kann auch sein, dass du zu uns kommst, weil dir Themen aus deiner Vergangenheit bereits bewusst geworden sind und du spürst, dass sie stark auf deine Art und Weise einwirken, wie Du mit anderen Menschen in Beziehung gehst. Das können die oben bereits genannten Themenkreise sein.

„Liebe gab es nur gegen Leistung…“

„Ich habe mich als Kind zuhause nie sicher gefühlt.“

Es können aber auch klar traumatische Erlebnisse wie erlebte Übergriffigkeiten, Grenzüberschreitungen und Missbrauch, körperliche, seelische, sexuelle oder auch strukturelle Gewalt gewesen sein, die sich auf unsere Freiheit, Beziehungen nach unseren Wünschen zu gestalten, auswirken.

All diese biografischen Themen wirken sich prägend auf unser aktuelles Leben aus. Besonders dann, wenn uns die Zusammenhänge nicht bewusst sind. Denn biografische Themen legten einst Muster fest, die dann stets nur in der immer gleichen Weise gelebt werden können, wenn sie getriggert werden.

So, als ob ein alter Film immer wieder aufs Neue abgespielt werden muss, weil es anders gar nicht zu gehen scheint, und weil ein anderer Film noch nicht geschrieben ist.

„Ich bin früher in der Schule sehr gemobbt worden. Und neulich fühlte sich das unter meinen Kollegen und mir wieder so an.“

„Ich spüre den Einfluss, den mein Vater schon immer auf mich hatte.“

Wenn die Brücke geschlagen wird zwischen alt und neu, öffnen sich neue andere Möglichkeiten, Situationen zu beantworten. Dann geht es um Anerkennen und Bezeugung des Erlebten, die Integration der damit verbundenen Gefühle und darum, neue Wege zu finden für die Entfaltung unserer Lebendigkeit.

Wenn die Verbindungen von damals zu unserem heutigen Leben deutlich sichtbar werden, sind wir in der Lage, uns von alten Mustern zu distanzieren und altes Erleben vom Hier und Jetzt zu unterscheiden. Es entsteht  Entscheidungsfreiheit, wie ich mit Situationen im Hier und Jetzt umgehen kann, statt immer nur den gleichen alten erlernten „Film“ ablaufen zu lassen.

„Ich habe das Gefühl, ich musste mich früher um meine Mutter kümmern, nicht umgekehrt.“

Auf diese Weise können traumatisch aufgeladene biografische Themen und die damit verknüpften alten Muster ihre Macht verlieren. Es kann Freiheit, Selbstwirksamkeit und Freude am Gestalten des eigenen Lebens und den Beziehungen entstehen.

„Endlich habe ich die Erklärung für meine heftigen Gefühle! Jetzt kann ich neue eigene Wege finden, im Hier und Jetzt freier damit umzugehen.“

„Der alte Film ist jetzt nicht einfach weg, aber er bestimmt mich nicht mehr. Ich muss nicht mehr die immer gleiche Rolle erfüllen. Ich kann jetzt mein eigenes Leben leben.“